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Grafschafter Wochenblatt vom 06.11.1985

GW schickte Grüße ins All

Bei jeder Erdumkreisung neun Minuten lang Verbindung möglich

Hardingen/Veldhausen. Gespannt hockten wir vor der Funkstation, die der Ortsverband Niedergrafschaft im Deutschen Amateur Radio-Club (DARC) in seinem Clubheim, der alten Hardinger Schule, aufgebaut hatte. Um 16.30 Uhr UTC (Universal Time Coordinated oder Greenwich Mean Time GMT) war es dann so weit: Stefan Freinatis, umringt von Clubkameraden, hatte den allgemeinen Anruf der Amateurfunkstation an Bord des Spacelab empfangen und meldete sich in der darauf folgenden Minute mit dem Rufzeichen der Klubstation des Ortsverbandes Niedergrafschaft: "DF0NG an DP0SL: Herzlichen Gruß vom Grafschafter Wochenblatt und viel Erfolg bei der Mission". Stefan Freinatis nutzte alle sechs Empfangsfrequenzen der Spacelab-Bordstation, um seinen Ruf und unseren Gruß abzusetzen. Es ist sichergestellt, daß dieser Gruß ankommt: Die Astronauten, die ein umfangreiches Arbeitsprogramm zu absolvieren haben, teilten am Sonntagnachmittag mit, daß sie bis dahin "keine Zeit fanden, um auch nur einen Blick aus dem Fenster" zu werfen. Die Funkrufe werden von einem automatischen Aufzeichnungsgerät registriert, jeder Funkkontakt mit der Weltraumstation wird - wie üblich ­ mit einer Bestätigungskarte attestiert werden.

Am 30. Oktober gegen 17 Uhr MEZ (Mitteleuropäischer Zeit) war das Space Shuttle "Challenger" zur vierten Spacelab-Misssion gestartet, an Bord unter anderem die Amateurfunker Dr. Reinhard Furrer (DD6CF) und Ernst Messerschmid (DG2KM) sowie der niederländische Amateurfunker Dr. Wubbo Ockels(PE1LFO). Diese Amateurfunker betreiben die an Bord des Spacelab eingebaute Amateurfunkstation mit dem Rufzeichen DP0SL. Dieses Rufzeichen dokumentiert für Eingeweihte, daß es sich um eine deutsche Station außerhalb der Grenzen der Bundesrepublik (Landeskenner DP handelt, die als Clubstation (Ziffer 0) im Spacelab (SL) betrieben wird.

Der Sinn dieses für eine Freizeitbeschäftigung recht aufwendigen Unternehmens liegt darin, weltweit fast zwei Millionen Amateurfunkern über den Kontakt mit einem Raumfahrzeug die bemannte Raumfahrt selbst näher zu bringen. Ferner soll der Öffentlichkeit auf diese Weise der Amateurfunk als experimenteller Funkdienst vorgeführt werden. Die Aktion wird getragen vom Deutschen Amateur-Radio-Club (DARC). Der Amateurfunkbetrieb wird im 2-Meter-/70-Zentimeter­Amateurfunkband abgewickelt. In einem Staubehälter des Spacelab ist eine Amateurfunk-Sende­ und Empfangsanlage eingebaut, die am zweiten Tag der so genannten D1-Mission eingeschaltet wurde und bis zum Ende sechsten Missionstages zeitweilig betrieben wird.

Zahlreiche Funkamateure - das wird bei den Sitzungen vor den Empfangs- und Sendegeräten in Hardingen und andernorts deutlich - suchen den Funkkontakt Spacelab-Mannschaft, in den meisten Fällen allerdings vergeblich, was den Rückruf angeht. Am Sonntagnachmittag fing Amateurfunker Rudolf Berg aus Veldhausen ein Gespräch zwischen der Spacelab-Station DP0SL und der Erdstation DK0SG auf, in der von Dr. Messerschmid oder Dr. Furrer in einem Erfahrungsbericht mitgeteilt wurde, daß "viele Arbeiten erledigt werden müssen, in den meisten Fällen die Anlagen zum Marschieren gebracht wurden und gute Ergebnisse erwartet werden". Zur Funkerei sagte das Mannschaftsmitglied, daß man bereits viele Kontakte gehabt habe, die leider nicht alle beantwortet werden konnten, auf jeden Fall aber werde eine Bestätigung geschickt

Die Grafschafter Funkamateure, die aufgrund ihrer leistungsfähigen Sende- und Empfangsanlagen sowie ihrer Antennenausstattung sicher in rund 90minütigem Rhythmus "ihre Lauscher aufstellen" und die Kontakte mitschneiden werden, berechnen die Zeiten, zu denen während der Überflugzeiten des Spacelab Funkkontakte möglich sind, vielfach unter Zuhilfenahme eines Computers selbst. Sie vernehmen die Bakenzeichen, die in Zeiten ohne Sprechfunk-Verkehr vom Bordgerät ausgestrahlt werden. Auf dieser Bake wird in Minutenabständen ein allgemeiner Anruf getastet und zur Rückmeldung aufgefordert, alle 'Rückmeldungen werden aufgezeichnet und ausgewertet. Die Bake wird nach Abgabe des Rufzeichens auf eine Minute Dauerstrich geschaltet. Dadurch werden Ausbreitungsmessungen im VHF-Bereich ermöglich, die wiederum dazu beitragen, Erkenntnisse über das Verhalten von Funkwellen zu sammeln.

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Zeitungsartikel vom 6. November 1985

Das Bild zeigt Gerrit Jan Warsen (DG7BW) und Stefan Freinatis (DL6BZ) an der Funkstation im OV-Heim Hardingen

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